Fairstanden: Gemeinsam flicken statt neu kaufen
Neulich lag bei uns ein Spielzeugauto im Flur, das nur noch traurig klackerte. Früher wäre es vermutlich „aus Versehen“ in der Tonne gelandet. Diesmal nicht. Denn es gibt eine wunderbare Zwischenlösung zwischen Wegwerfen und Neukaufen: Repair-Cafés.
Was ist ein Repair-Café und wie funktioniert es?
Das Prinzip ist schnell erklärt: Ihr bringt kaputte Alltagsdinge mit – Toaster, Lampen, Kopfhörer, Mixer, Spielzeug oder Kleidung – und repariert sie gemeinsam mit Ehrenamtlichen. Keine sterile Werkstatt, sondern eher Nachbarschaftstreff: Werkzeug auf dem Tisch, dazu Kaffee, manchmal Kuchen. Und das Wichtigste: Es geht um Hilfe zur Selbsthilfe. Ihr schaut nicht nur zu, sondern lernt, wie der Föhn wieder föhnt oder warum die Lampe plötzlich wieder leuchtet.
Warum Repair-Cafés Geld sparen und Ressourcen schonen
Warum sich das lohnt? Weil erstaunlich viel nicht „wirklich kaputt“ ist. Oft reicht eine lockere Schraube, ein neues Kabel, ein kleines Nähstück. Das schont Geldbeutel und Ressourcen – und macht nebenbei den Kopf frei: Ihr müsst nicht bei jedem Defekt gleich shoppen. Im FabLab Nürnberg wird das sehr direkt benannt: Der Begriff „geplante Obsoleszenz“ sei vielen bekannt – Geräte gehen früher kaputt, als sie müssten. Repair-Cafés setzen dem etwas Praktisches entgegen: Wir verlängern die Lebenszeit der Dinge.
Repair-Cafés für Familien: Gemeinsam reparieren, lernen und nachhaltig handeln
Für Familien hat das noch einen zweiten, fast wichtigeren Effekt: Repair-Cafés sind kleine Lernorte ohne erhobenen Zeigefinger. Kinder sehen, dass ein Gerät nicht einfach „magisch“ funktioniert – sondern aus Teilen besteht, die man verstehen kann. Sie erleben, dass Erwachsene nicht immer sofort eine Lösung haben, sondern gemeinsam überlegen, testen, wieder auseinanderbauen, nochmal probieren. Das ist eine ziemlich gute Lebensschule: dranzubleiben, wenn etwas nicht klappt.
Dazu kommt der generationenübergreifende Charme. Im Repair Café im Nürnberger Jugendhaus Geiza arbeitet, wie es dort heißt, ein Team aus „jungen und alten ehrenamtlichen Mitgliedern“. Genau so fühlt es sich oft an: Da sitzt jemand, der früher Fernseher repariert hat, neben einer Studentin, die mit einem winzigen Schraubendreher an Kopfhörern tüftelt. Und irgendwo daneben erklärt ein Kind sehr ernsthaft, warum „dieser Knopf“ am liebsten wieder „klick“ machen soll.
Und falls ihr denkt: „Ich kann doch gar nicht reparieren!“ – umso besser. Repair-Cafés brauchen nicht nur Tüftler, sondern auch Menschen, die organisieren, Kuchen backen oder einfach eine freundliche Hand reichen. Im Jugendhaus Geiza steht dazu ganz offen: „Unser Team sucht Verstärkung.“ Kleiner Tipp fürs erste Mal: Bringt Netzteil, Kabel und Zubehör mit – und ein bisschen Zeit. Manchmal klappt’s sofort, manchmal gibt es „nur“ eine Diagnose. Aber fast immer geht ihr mit einem guten Gefühl nach Hause: Weil ihr etwas gelernt habt. Und weil ein Gegenstand eine zweite Chance bekam.
Text: Astrid Schmitt
Info-Kasten: Repair-Cafés in der Region
Nürnberg (Langwasser), Jugendhaus Geiza – Glogauer Str. 50
Nürnberg, LUISE (Jugendkulturzentrum) – Scharrerstr. 15
Fürth, FabLab (Repair-Café) – Schwabacher Straße 512, Fürth
Fürth, Zukunftssalon „Tataa!“ – Marktplatz 4
Erlangen, ZAM – Hauptstr. 65–67
Forchheim, Zukunftshaus – Sattlertorstraße 16
Ansbach, „Ansbach Umgedacht“ – Kronenstraße 2